Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Amtsinhaberin Jotowa laut Prognose knapp vorn
Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Bulgarien hat die sozialistische Amtsinhaberin Ilijana Jotowa laut ersten Prognosen die meisten Stimmen erhalten. Wie aus drei am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale veröffentlichten Nachwahlbefragungen hervorgeht, stimmten zwischen 35 und 36,5 Prozent der Wähler für die seit Januar amtierende 62-Jährige. Ihr wichtigster Herausforderer Andrej Gjurow kam demnach auf ein Ergebnis zwischen 32,2 und 32,5 Prozent.
Sollte tatsächlich keiner der Kandidaten die notwendige Mehrheit holen, findet kommenden Sonntag eine Stichwahl statt.
Jotowa, eine ehemalige Journalistin und sozialistische Europaabgeordnete, hatte das Präsidentenamt erst im Januar von Rumen Radew übernommen. Er trat zurück, gewann anschließend die Parlamentswahl und wurde Ministerpräsident. Eine Bestätigung Jotowas als Staatschefin würde ihm Rückenwind verschaffen.
Im Falle eines Sieges wäre sie die erste gewählte Frau an der Spitze Bulgariens. Die Präsidentin hat im politischen System Bulgariens vor allem repräsentative Aufgaben. Sie kann allerdings ein Veto gegen Gesetze einlegen und ist Oberbefehlshaberin der Streitkräfte des Nato-Mitgliedslandes.
Der Urnengang war überschattet vom Ukraine-Krieg und damit zusammenhängenden Sicherheitsbedenken nach einer Reihe von Drohnenangriffen auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer. Jotowa hatte den Ukraine-Krieg zu einem der zentralen Themen in ihrem Wahlkampf gemacht.
Die Regierung von Ministerpräsident Radew hatte im Juni Waffenlieferungen aus Beständen der bulgarischen Armee an die Ukraine gestoppt und sich später aus der internationalen "Koalition der Willigen" zur Unterstützung Kiews zurückgezogen. Die bulgarische Rüstungsindustrie liefert allerdings weiterhin Waffen an Kiew. Jotowa zweifelt auch nicht an der EU- oder Nato-Mitgliedschaft des Landes.
Ihr wichtigster Herausforderer, der 50-jährige ehemalige Vizechef der bulgarischen Nationalbank, Andrej Gjurow, setzt auf Abschreckung sowie westliche Bündnisse und ist ein scharfer Kritiker der Außenpolitik von Regierungschef Radew. Er wolle ein "Bulgarien, das nach vorne schaut, ein Land, das europäisch, frei und stolz ist", hatte er vor der Wahl deutlich gemacht.
H.Jones--VC